A Travellerspoint blog

Mar 2007

Heimwärts

Vom heissen Norden in den Schweizer Schnee

semi-overcast 15 °C

Wir bereuen es keinen Moment in den Norden Costa Ricas gefahren zu sein. Nach einem Regentag hellt sich das Wetter auf und wir kommen noch einmal in den Genuss von zauberhaften Landschaften, welche wir dank dem Auto durchstreifen können.
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Fast jeden Tag fahren wir zu einem neuen Strand, immer ruhig und weit, entdecken Tiere und Pflanzen, welche wir bis dahin nicht gesehen haben.
Der Nationalpark Rincon de la Vieja fasziniert uns mit den blubbernden Schlammpfützen, welche schweflig dampfend vom heissen Erdinnern erzählen. Welch wundebare Erde dürfen wir doch bewohnen!
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Abends beim Nachtessen erzählt Guido, unser Gastgeber, viel vom Leben hier im wilden Norden, wo Pferde noch alltäglicher sind als Autos und der Sheriff auch mal mit einem Trinkgeld vom Bussenschreiben abgehalten wird. Maurice hat helle Freude an allen wilden und eingesperrten Tieren, oft streift er durchs Gelände und beobachtet gut.
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Der Waschbär im Gehege verlangt Respekt, das kleine Krokodil im Zaun ist so faul, dass es nicht einmal nach dem Hühnerhals schnappen mag... Zum Glück gibts noch den wilden Kollegen im Fluss, gross und stark, welcher ruhig auf und ab schwimmt.
Der Abschied fällt nicht leicht, wissen wir doch dass nun die Ferienzeit vorbei ist - der Weg nach San Jose und von dort in die Schweiz ist lang. So beschliessen wir, die Reise zu etappieren und übernachten beim Vulkan Arenal. Wir haben vom Bett aus eine wunderbare Sicht auf den Schlot, welcher fauchend Glut und Rauch speit - ein tolles Schauspiel, besonders nachts. Doch ist ihm heute kühl, er legt sich eine dicke Wolkendecke um die Schulter und versteckt sich damit vor den Touristenmassen, welche sehnlich auf polternde Eruptionen warten. Spät in der Nacht klart das Wetter wieder auf und wir erhaschen schläfrige Blicke von glühendem Gestein.
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Viel einfacher zu sehen sind die Nasenbär-Rudel, welche auf die Strasse trotten, sobald sich ein Touristenauto nähert. Kaum Notiz nehmend von entzückten Autoinsassen hoffen sie auf ein kleines Znüni und trollen sich plötzlich wieder in den dichten Urwald, welcher zwischen den Hotelanlagen noch geblieben ist.
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So finden wir den Weg zurück nach Alajuela, unserem Ausgangsort wo wir das Auto abgeben und noch einmal im Hotel Bernatica nächtigen dürfen.
Wir sind nun bereit für die Heimreise, ausgeruht und auch gwundrig, was uns in der Schweiz erwarten wird. So fahren wir zum Flughafen, wo wir unsere Rucksäcke aufgeben um nachher nocheinmal in die Stadt zu fahren - ein letztes Adieu im schönen Land mit uns lieb gewordenen Leuten. Als wir aus dem Bus steigen, schneidet uns ein junger Mann Papayas auf, kann kaum glauben dass wir 12 Stunden fliegen werden und dass es in der Schweiz keine Affen gibt. Noch eine Papaya, diese ist süsser, wir essen bis wir nicht mehr können und Maurice schaut zu, er hat Papaya nicht gern. Zum Abschied schenkt uns der Mann eine wunderbar reife Frucht, gross und dick wie ein Velofahrerwadli, welche wir einer Bettlerin schenken weils verboten ist zum mitnehmen.
So fährt uns ein Taxi fürs letzte Geld durch die schwüle Nacht zum gekühlten Flughafengebäude, wo die grosse Warterei beginnt - warten aufs Flugzeug, warten im Flugzeug, warten im Flug, warten beim Umsteigen, schon Nachmittag und doch erst Morgen, zum Glück schläft Maurice tief und fest auf der Reise und auch zu Hause, wo Abend schon am Mittag ist.
So kommen wir an in Bern.
Schneetreiben in den Strassen anstelle von schwatzenden Menschen und spielenden Kindern, alles sehr ruhig und gepflegt, eilige Freundlichkeit anstelle von gwundriger Herzlichkeit.
Fasziniert lernen wir unsere Heimat neu kennen, noch etwas unsicher ob dies wirklich der Ort ist, den wir vor fast drei Monaten verlassen haben.
Bald werden die Erinnerungen weicher, verschmelzen im Gefühl von Sehnsucht und Dankbarkeit, ja vor allem Dankbarkeit für all die wunderbaren Erlebnisse und Begegnungen, welche uns bereichern und begleiten.
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Beatrice, Peter und Maurice Till Kaltenrieder

Posted by m.till 11:58 AM Archived in Switzerland Comments (0)

Nordwárts

Von der Kueste zu Kueste

sunny 28 °C

Die schoenen Straende der Karibikkueste sind ein Genuss. So beschliessen wir, von Cahuita nocheinmal ein paar Kilometer suedwaerts zu fahren und bleiben ein paar Tage in Punta Uva bei Manzanillo bei freundlichen Ticos, welche kleine Haeuschen mit Kueche vermieten. Es ist uns wohl, wir sind erholt und ruhig. So waechst der Drang in den letzten drei Wochen noch etwas mehr zu sehen von diesem schoenen Land und wir beschliessen ganz in den Norden in eine einsame Urwaldgegend zu fahren. Von verschiedener Seite wurde uns ein Hotel empfohlen, welches wir anpeilen - und so reisen wir los. Morgens um sieben verpassen wir den Bus, holen ihn mit dem Taxi ein und fahren bis um elf. Dann sind die Anschluesse schlecht und wir machens uns fuer zwei Stunden in einem Taxi bequem. Der Fahrer ist so gluecklich, dass er grad seine Frau anruft! Maurice schafft die Reise ganz gut und wir beschliessen dass es nun genug sei fuer heute und besuchen als Belohnung einen tollen Zoo, wo verletzte Tiere aufgepaeppelt werden fuer die Auswilderung.
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Den Abend verbringen wir in einem Hotel mit wunderschoenem Thermalbad an einem Bach. So starten wir am naechsten Morgen in die zweite Etappe. Die Reise ist nun nicht mehr weit, die erste Haelfte in einer Stunde Bus geschafft. Rechtzeitig stehen wir in Pital am Busbahnhof und warten mit vielen anderen Leuten. Nun wurde der Fahrplan geaendert, der Bus startet puenktlich eine Stunde spaeter...
Maurice nuetzt die Wartezeit zum Fussballspielen mit einer Pet-Flasche, ein kleiner Bub spielt begeistert mit, waehred wir uns mit freundlichen Ticos unterhalten.
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Dann kommt der Bus, sicher aelter als wir alle zusammen. holpert los und schafft in der ersten Stunde tatsaechlich etwa 15 Kilometer! Die Strasse ist nicht asphaltiert, Steine und Staub, Schulkinder in tadellosen Uniformen steigen ein, der Fahrer kennt jedes mit Namen. Damit keines aus dem Bus faellt, setzt er die Kleinen nicht zu nahe beim Ausgang, die Tuere laesst sich wohl schon lange nicht mehr schliessen. Wenn der Laerm der Kinder zu ueberborden droht haelt der Bus und der Fahrer weist die Lausbuben zurecht. Dann gehts ein paar Meter weiter, zwei alte Leute wollen einsteigen, der Fahrer holt zuerst die Taschen in den Bus und hilft dann den beiden die Treppe hoch, begleitet sie zum Sitz und wuenscht eine gute Fahrt, dann gehts wieder los.
Nach zwei kurzweiligen Stunden sind wir da und staunen wie gut es Maurice beim Reisen geht. Er legt sich auf die Schoss und bleibt so liegen, singt, spielt, denkt, schlaeft ein... Oft sagt er dann: Gell jetzt wohnen wir wieder nirgends.
Am neuen Ort angekommen wird alles erforscht und sofort geschaut ob die Regeln auch hier gelten (zum Beispiel nicht mit der WC-Buerste spielen). Oft sitzt er auf dem Bett und studiert Tierbilder, ueberlegt welche Gehege er spaeter in seinem Zoo anlegen moechte fuer die Tiere. So kann er viel verarbeiten und wird bereit fuer alles Neue. Davon gibt es in der (Deutsch gefuehrten) Laguna Lagarta Lodge vieles. Im Teich schwimmen Caymane, welche gefuettert werden, im Garten sitzen die seltenen grossen gruenen Aras, im Urwald gibts kleine rote giftige Froeschli. Wir sind nun fast an der Grenze zu Nicaragua. Die Weiterreise wird nun sehr aufwaendig mit dem Bus und wir beschliessen ein Auto zu mieten.
So reisen wir wieder ins geschaefitge Zentrum von Costa Rica und uebernehmen am naechsten Morgen einen aeltlichen Kleinwagen, welcher uns bequem in entlegene Winkel des Landes bringt.
Als erstes fahren wir ins schoene Orosi-Tal, wo der Kaffee blueht. Das Auto wird zum Reisebeschleuniger, schon sind wir auf dem Vulkan Irazu auf 3'500 Meter ueber Meer, der scharfe Wind kuehl und die Sonne stark. Ganz oben koennen wir in den Krater schauen, ein giftgruener See in gespentischer Landschaft, struppiges Kraut und kleine Buesche an den exponierten Stellen, schattige Baeume an den geschuetzten Haengen. Landwirtschaft wird fast bis ganz oben betrieben, Gemuese waechst hier in unglaublicher Hoehe. An ganz klaren Tagen kann man von diesem Berg aus den atlantischen und den pazifischen Ozean sehen, heute nicht aber wir geniessen trotzdem eine weite Sicht ins umliegende Flachland.
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Schon am naechsten Morgen fahren wir los in Richtung Pazifik, im Golf hinter der Halbinsel Nicoya liegt Chira, die groesste bewohnte Insel Costa Ricas, welche wir besuchen wollen. Eigenlich gibt es hier keine touristischen Einrichtungen, in einem alternativen Reisefuehrer haben wir aber gesehen, dass engagierte Frauen Gelegenheit zum Uebernachten und Essen anbieten. Da wir eigentlich nicht wissen was uns erwartet, fahren wir gespannt an die Kueste. Irgendwo geht es weg von der Interamericana, die Strasse wird schmal und fuehrt durch einfache Doerfer, nach mehrmaligem Fragen landen wir bei einem kleinen Laedeli, wo man uns freundlich einen Parkplatz im Garten zuweist. Die Mittagssonne ist heiss als wir am kleinen Fischerhafen stehen, der Faehrmann hilft uns ueber das bereitgelegte Brett aufs Boot und bald tuckern wir uebers Meer. Auf der Insel wartet ein alter Bus, der Fahrer bittet uns irgendwo im Wald auszusteigen. Mutig tragen wir unsere Rucksaecke einem kleine Weg entlang und sind doch etwas erleichtert, als uns freundliche Frauen in Empfang nehmen. Hier werden wir fuer vier Tage umsorgt und wir erhalten Einblick in das Inselleben welches so ist, wie Costa Rica vor Jahrzehnten. Wir haben Respekt vor den Frauen, welche aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Korsett ausbrechen und nebst einem Restaurant drei Haeuser mit Zimmern gebaut haben. Gerne erzaehlen sie uns aus ihrem Leben, zeigen uns ihre Haeuser, die Schule und den Strand. Baden wollen wir nicht, liegt die Wassertemperatur doch deutlich ueber dem ertraeglichen Maximum... Das weiter nicht erstaunlich, wir messen tagsueber 36 Grad am Schatten und es gibt kaum Wind. Da hier seit Dezember Trockezeit ist, darf auch nicht auf Regen gehofft werden. Alles ist duerr, man fuerchtet staendig Waldbraende. Trotz all dem faellt uns der Abschied am Ende schwer von den ruhigen und freundlichen Insel-Frauen, welche uns mit ihrer Offenheit sehr viel mitgegeben haben.
Nun moechten wir noch einmal ans Meer, starten am Morgen um halb sechs um mitte Vormittag die Autofaehre auf die Nicoya-Halbinsel zu erwischen. Leider ist eine Faehre kaputt und die andere wird bestreikt, so dass es fuer uns trotz vielen Worten nicht gelingt aufs dritte und einzige Schiff zu gelangen... So ueberlegen wir nicht allzu lange und starten in den wilden nord-westen Costa-Ricas.
Das Auto laeuft ruhig auf der gut ausgebauten Interamericana, die grossen Lastwagen und Busse werden spaerlicher und die Landschaft veraendert sich zusehends. Gelb und Braun dominieren, vom Land blaest ein warmer Wind ueber ausgetrocknete Weiden, es gibt nur noch wenige Baueume und Gruen fehlt fast ganz. Wir meinen in Afrika zu sein und koennen unseren Augen kaum trauen, als beim Kaffeehalt zwei waschechte Cowboys an der Bar sitzen!
Am Nachmittag erreichen wir la Cruz, der letzte groessere Ort vor der Grenze zu Nicaragua, welcher auf der Kante eines Hochplateaus liegt. Als wir vom Aussichtspunkt ueber die einsame Weite schauen, bleibt der Kiefer unten. Sanfte Huegel und weite Ebenen legen sich in sanften Brauntoenen um eine runde Meeresbucht, waehrend uns der Wind fast den Hut nimmt. Solche Einsamkeit und solche Weiten haben wir im Dschungelbedeckten Sueden nie gesehen. So beschliessen wir die Gegend noch einige Tage zu erforschen bevor es heimwaerts geht. Wunderbare Unterkunft finden wir bei Agi und Guido, welche auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb auch Touristen beherbergen: macht Euch ein Bild unter www.canas-castilla.com

Posted by m.till 4:05 PM Archived in Costa Rica Comments (0)

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