Indianer
Leben im Urwald
09.02.2007
32 °C
Die Fahrt von der Pazifikkueste auf die Halbinsel Osa im Sueden von
Costa Rica ist lang und spannend. Der Bus quaelt sich stundenlang ueber die sandige Strasse, links und rechts Urwald und Plantagen, viel Schweiss und Maurice schlaeft. Allmaehlich verdient die Strasse ihren Namen nicht mehr, die Gegend einsam, ab und zu zwei drei Haeuser, ein schoener Ausblick und wieder Dschungel.
Schliesslich erreichen wir La Palma, ein Nest in der Pampa, Kuehe, Palmen, kleine Laeden mit gebrauchten Kleidern, eine Eisenwarenhandlung mit Motorsaegen und Gummistiefel in Huelle und Fuelle. Puenktlich werden wir abgeholt von einem Mann, dunkle Haut, freundliche Augen, eine armlange Machete an der Seite, Fussballhosen und Gummistiefel mit Kniesocken, bei 32 Grad!!
Ein Fahrzeug wird organisiert, sieht aus wie ein Viehtransporter, wir steigen zu und lernen, dass die auch ein Bachbett als Strasse bezeichnet werden kann. 
Sitzen ist nicht moeglich, jeder steht und klammert sich irgendwie fest, langsam durchqueren wir Fluesse und Suempfe, bis das Gelaende bergig wird und Pferde auf uns warten.
Wir duerfen aufsteigen, die zwei Indianer stapfen nebenher, fuehren die Pferde mit uns immer tiefer in den Urwald.
Nun sind wir im Indianer-Reservat der Guajmies, fernab von Strom und Motorenlaerm. Eineinhalb Stunden geht es Bergauf und Bergab, durch Baeche und Sumpf, langsam verstehen wir die Gummistiefel der Indianer.
Bei der Familie Carrera werden wir herzlich empfangen. Fast alle 30 Mitglieder sind gekommen um uns zu begruessen. Daniela aus Biel ist hier verheiratet mit Estephan, Leonardo, ihr Bub ist gleich alt wie Maurice.
Die naechsten fuenf Tage tauchen wir ein ins Indianerleben.
Mitten auf dem Rasen steht die Grossmutter und fuettert Huehner und Pferde. Ihr reich verziertes rosarotes Kleid leuchtet vor dem Gruen der Umgebung. Ein Bub bringt ein grosses Blatt um die Huehner vom Pferdefutter fernzuhalten, der Wind streicht durch die Baeume und macht die Mittagshitze ertraeglich. Die Zikaden zirpen waehrend wir in der Haengematte doesen und Maurice auf dem Bett Pause macht.
Hier spielt Geld keine Rolle, man kanns nicht ausgeben, man hat was der Wald und der karge Boden hergeben. Alles andere tauscht man mit dem Nachbar oder man schleppt es hoch von La Palma. So ist auch die WC-Schuessel in unser blaettergedecktes Waschhaeuschen gekommen, oder der Solarpanel auf dem Dach welcher etwas Licht spendet am Abend und Strom fuer die Digitalkamera.
Mit jedem Tag waechst unser Respekt fuer die Menschen, die es verstehen, hier zu leben, leckeres Essen zubereiten auf dem Holzkochherd, uns verwoehnen und auf viele kleine Details und Zusammenhaenge hinweisen. 
Hier muss die Natur nicht geschuetzt werden, man ist Teil davon, grenzt sich ab wo noetig und erntet so, dass wieder genug waechst.
Tiere geht man nicht beobachten, sie sind einfach da, Affen, Papageien, Krebse am Bach und viele mehr. Man schaetzt ueber 6'500!!! Sorten Insekten in diesem Gebiet, einige davon haben es auf unser Blut abgesehen. Wir gewoehnen uns an zerstochene Beine und leben einigermassen in Frieden mit Kakerlaken und Co.
Aber als im WC ein etwa 10cm langer Skorpion auftaucht ist fertig lustig. Estephan kennt kein Pardon und macht das wuetende Tier mit der Machete kaputt. Die Erleichterung ueber die Rettung waehrt nicht lange, anscheinend finden zahlreiche Tierli die Voegelein, welche ihr Nest im Dach bauen herzig. So erzaehlt Beatrice bald laut schreiend von einer Schlange an der Tuer, die halbe Sippschaft laeuft zusammen und macht dem etwa 180cm langen Tier mit Stecken und Knueppeln den Garaus. 
Nicht giftig, der Kommentar, aber hier wollen wir keine Schlangen, wir sind durchaus einverstanden damit und sind froh, dass die Philosophie bei der handgrossen Vogelspinne morgens um 2 noch die gleiche ist...
Trotz der Aufregung ist es uns wohl hier und wir geniessen das Leben in Ruhe, wo viel Zeit und Raum ist, und die Sterne leuchten wie mitten auf dem Ozean. So faellt der Abschied nicht leicht, die Augen feucht beim Adieu der lieben Menschen, der Abgeschiedenheit, zurueck an die Kueste, eine Stunde im infernalisch laermenden Bus, Puerto Jimenez mit stampfenden Lautsprechern, Ventilatoren und Eismaschinen, kuehlem Bier und Landepiste. Hier hat das Leben einen anderen Rythmus, wir brauchen etwas Zeit um uns zu gewoehnen. Zum Glueck finden wir eine ruhige Unterkunft.
http://www.manglares.com/
und schon bald geht es weiter richtung Golfito, Zancudo, dann nach Panama. Es geht uns gut und wir sind froh, dass wir bis jetzt gesund geblieben sind.
Posted by m.till 08:23 Archived in Costa Rica






Hallo Zämä
Traumhafte Erzählungen aus einer Traumhaften Welt, wir können mitfühlen, würden aber gerne dabei sein.
Grün Affen Papageien Insekten Schweiss Leben ein blättergedecktes Waschhäuschen wenig Strom und viele Sterne; genau unsere Welt, unsere Träume.
Weiterhin alles Gute
Eine lange Umarmung
Olivier Carmen Radheya
10.02.2007 by Radheya